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Landwirtschaft im Herbst Landwirtschaft im Herbst
Erntezeit: Wenn der Herbst die Speisekammer füllt

Erntezeit: Wenn der Herbst die Speisekammer füllt

Der Herbst ist die Saison der Fülle und des Anpackens.

Wenn sich die Wälder Südtirols golden färben und die Luft nach reifen Äpfeln duftet, beginnt am Bauernhof eine ganz besondere Zeit: der Herbst. Es ist die Saison der Fülle – und gleichzeitig des Anpackens.

Während sich die Natur langsam auf den Winter vorbereitet, läuft das Leben auf den Bauernhöfen noch einmal auf Hochtouren. Äpfel und Trauben sind reif, die Tiere kehren von den Almen zurück und die Vorratskammern füllen sich. Dabei gehen Obst-, Wein- und Viehbauern völlig unterschiedlichen Tätigkeiten nach. Wir blicken hinter die Kulissen.

 

Die Arbeit des Viehbauern
 

Der Herbst ist eine besonders arbeitsintensive Zeit. Für viele beginnt der goldene Monat mit einem der stimmungsvollsten Momente im bäuerlichen Leben: dem Almabtrieb. Mit dem Ende des Sommers kehren die Tiere von den Almen zurück. Nach Monaten auf saftigen Hochweiden geht es für Kühe, Schafe, Ziegen und Pferde wieder zurück ins Tal. Zurück am Hof genießen die Tiere noch die letzten milden Tage auf den umliegenden Wiesen, bevor sie wieder mehr Zeit im Stall verbringen.

 Auch rund um den Hof gibt es jede Menge zu tun. Kartoffel und Kastanien werden geerntet, Laub wird zusammengerecht oder Brennholz für den Winter gestapelt. In tieferen Lagen nutzen die Bauern trockene Herbsttage manchmal noch für einen letzten Grasschnitt, den sogenannten „Pofl“. Je nach Höhenlage und Witterung ist die Heuernte andernorts zu diesem Zeitpunkt bereits abgeschlossen.

 

Gleichzeitig füllen sich die Keller und Vorratskammern. Was Garten, Feld und Obstbäume in den vergangenen Monaten hervorgebracht haben, wird geerntet und haltbar gemacht. Gemüse wird eingelagert, Kräuter werden getrocknet und Früchte zu Marmeladen, Säften oder Kompotten verarbeitet.

Auch die Tiere brauchen nach dem Sommer auf der Alm besondere Aufmerksamkeit. Der Bauer beobachtet genau, ob alle gesund zurückgekehrt sind und gut durch die bevorstehende kalte Jahreszeit kommen. Schließlich kennt er seine Tiere ganz genau – und bemerkt schnell, wenn sich eines anders verhält als sonst.

Für die Südtiroler Obstbauern ist der Herbst vor allem eines: Erntezeit. Bereits Ende August beginnt die Apfelernte mit der Sorte Gala. Im September und Oktober herrscht dann Hochbetrieb zwischen den Apfelreihen. Je nach Sorte, Höhenlage und Witterung zieht sich die Ernte bis weit in den Herbst hinein. Den jeweiligen Zeitpunkt bestimmt die Genossenschaft – dann, wenn Reifegrad und Farbe passen.

Ist der richtige Zeitpunkt gekommen, zählt jede helfende Hand. Die Äpfel werden vorsichtig vom Baum gepflückt und in große Erntekisten gelegt. Dabei ist Fingerspitzengefühl gefragt, denn Druckstellen sollen möglichst vermieden werden.

 

Auf vielen Bauernhöfen packt die ganze Familie mit an. Und manchmal dürfen auch die Urlaubsgäste selbst einen Apfel vom Baum pflücken und erleben, wie viel Arbeit hinter einer Frucht steckt, die sonst ganz selbstverständlich im Einkaufskorb landet.

 

Der Großteil der geernteten Äpfel wird anschließend an die Genossenschaften geliefert, wo sie sortiert, gelagert und auf den Verkauf vorbereitet werden Manche Bauernfamilien verarbeiten einen Teil ihrer Ernte auch direkt am Hof weiter. Dann entstehen aus den knackigen Früchten Apfelsaft, Dörrobst, Apfelchips, Marmeladen oder andere Köstlichkeiten – natürlich alles in Handarbeit.

Erst wenn die Bäume ihr Laub verloren haben, beginnt der letzte Arbeitsschritt vor der Winterpause: das Schneiden der Obstbäume.

Die Arbeit des Weinbauern

 

Wenn sich die Weinreben in leuchtendes Rot und Gold verwandeln, schlägt das Herz des Südtiroler Weinbauern schneller. Es ist Herbst und damit endlich Zeit für die spannendste Zeit des Jahres: die Weinlese. Oder, wie man in Südtirol sagt: es wird gewimmt!

Monatelang wurden die Reben gepflegt und die Trauben beim Reifen beobachtet. Jetzt zeigt sich, was das Weinjahr gebracht hat. Doch den richtigen Zeitpunkt für die Ernte zu finden, braucht Erfahrung und Fingerspitzengefühl.

Der Weinbauer beobachtet Reife, Säure und Zuckergehalt der Trauben und behält gleichzeitig das Wetter im Blick. Je nach Sorte, Lage und Höhenlage wird zu unterschiedlichen Zeitpunkten gelesen.

 

Auf den meisten Höfen werden die Trauben von Hand. Mit der Rebschere werden die reifen Trauben vorsichtig abgeschnitten und in Kisten gelegt. Familie und Erntehelfer arbeiten dabei Seite an Seite. Manchmal dürfen auch Urlaubsgäste mithelfen und selbst erleben, wie aus monatelanger Arbeit im Weinberg schließlich die Ernte eingebracht wird.

 

Kaum sind die Trauben gelesen, beginnt im Keller der nächste wichtige Abschnitt. Sie werden verarbeitet, der Most beginnt zu gären und der junge Wein entwickelt sich. Jetzt heißt es für den Weinbauern: beobachten, kontrollieren und Geduld haben. Temperatur und Gärverlauf werden regelmäßig überprüft – im Keller blubbert und duftet es.

 

Doch auch draußen im Weinberg gibt es nach der Ernte noch einiges zu tun. Die Rebstöcke werden auf den Winter vorbereitet: Drähte gelöst, Laub entfernt, Zeilen gepflegt. Erst wenn die Blätter gefallen sind, beginnt der Rückschnitt – der Startschuss für das kommende Jahr.