St. Ulrich-Gröden
Bibliothek Lia Mostra d'ert Urtijëi
Der Kreis für Kunst und Kultur St. Ulrich hat seine Wurzeln im sogenannten Ausstellungsverein, der zwischen 1920 und dem Zweiten Weltkrieg gegründet wurde. Initiatoren waren Jakob Mussner, Jakob Crepaz und Vinzenz Moroder, um den Grödner Holzschnitzern während einer wirtschaftlichen Krise neue Möglichkeiten zu bieten. Die jährlichen Ausstellungen ermöglichten es den Künstlern des Tales, ihre Werke direkt Interessenten und Besuchern zu präsentieren. Ziel war die Förderung der künstlerischen Tätigkeit und die Weiterentwicklung der Grödner Holzschnitzkunst, besonders im Bereich der christlichen Kunst.
Zu den wichtigsten Förderern dieser Initiative gehörten August „Gustl“ Runggaldier (Bera Gustl da Furdenan) und Vinzenz Moroder da Resciesa. Anfangs wurden Werke in der damaligen Volksschule ausgestellt und an Touristen verkauft. 1937 wurde während der Zeit des Faschismus mit Beiträgen der Handwerker und mit Unterstützung des damaligen Bürgermeisters Tanesini das heutige Haus der Mostra d’Ert am Antoniusplatz errichtet.
Nach dem Zweiten Weltkrieg übernahmen jüngere Künstler die Leitung des Vereins, darunter Viktor Moroder, Raimund Mureda, Milly Schmalzl und Rudolf Moroder-Rudolfine. 1946 fand die erste Nachkriegsausstellung statt, begleitet von einem Wettbewerb für Weihnachtskrippen. Gleichzeitig wurde eine Ausstellung zu Ehren des Bildhauers Josef Moroder-Lusenberg organisiert, dessen Geburtstag sich zum hundertsten Mal jährte.
Der Verein wurde später in „Kreis der Kunstschaffenden“ umbenannt. Die Mitglieder experimentierten zunehmend mit neuen Ausdrucksformen und Materialien, was teilweise auf Kritik in der Bevölkerung stieß. Dennoch blieb der Kreis ein wichtiger Treffpunkt für Künstler und erhielt Unterstützung von externen Fachleuten.
1950 begann der Aufbau einer Bibliothek, die sich im Laufe der Jahre zur größten Sammlung von Kunstbüchern in Südtirol entwickelte. 1951 organisierte der Kreis eine große Ausstellung unter dem Titel „Dreihundert Jahre Holzschnitzkunst in Gröden“, bei der Werke alter Meister gemeinsam mit Arbeiten zeitgenössischer Künstler präsentiert wurden.
In den folgenden Jahrzehnten entwickelte sich der Verein weiter und veranstaltete regelmäßig Ausstellungen, Wettbewerbe und kulturelle Veranstaltungen. In den 1950er-Jahren entstand auch die Künstlergruppe Ruscél, die aus einer Gruppe junger Künstler hervorging.
Eine wichtige Wende brachte die Zeit um 1968–1970, als neue Mitglieder den Verein modernisierten und stärker in den kulturellen Bereich integrierten. Neben Kunstausstellungen entstanden eine Bibliothek, kulturelle Veranstaltungen, Vorträge und Konzerte. In dieser Zeit erhielt der Verein schließlich den Namen Kreis für Kunst und Kultur.
Trotz gelegentlicher Kontroversen blieb der Kreis eine bedeutende kulturelle Institution im Grödnertal. Bis 2004 betrieb der Verein außerdem das einzige Jugendzentrum von St. Ulrich. Nach einer kurzen Übergangszeit kehrte der Verein 2007 wieder in seinen ursprünglichen Sitz zurück.